Ostblock-Ostblog

Es gibt Tragödien, die uns zum Schweigen bringen. Bis wir erfahren, was zur Tragödie beigetragen könnte, und die Mauer des Schweigens sich in Verwunderung und vielleicht auch Zorn verwandelt.

Was, wenn es wirklich der Starrsinn eines Menschen war, der die Maschine des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski zerschmettern ließ? Der Starrsinn eines Staatsmannes, der verbittert war darüber, dass er als Gegner Russlands nicht zur offiziellen Feier zum Gedenken an die stalinistischen Opfer von Katyn eingeladen worden war? Der deswegen alle Gefährten zusammentrommelte, um einer privaten Feier Glanz und Gewicht zu verleihen – vielleicht passend zum Präsidentenwahlkampf.

Das polnische Fernsehen wagte es durchaus, am Unglückstag die Kernfrage an Experten zu stellen: Ob denn der Flug nach Smolensk – und die Versammlung so vieler polnischer Politiker an Bord einer nur renovierten Tupolev gegen alle – wirklich alle – Regeln der internationalen Diplomatie und gegen interne Vorschriften verstießen? Warum beharrte irgendwer an Bord auf einer Landung – allen Nebelwarnungen zum Trotz auf der Landung? Meinte jemand, dass man ihm auch diesen inoffiziellen Termin vermasseln wollte? Machten andere vielleicht Scherze, dass ein polnischer Pilot doch überall landen könne?

Die Beantwortung der Frage wird zwar die Menschen nicht auferstehen lassen, die verunglückt sind. Aber sie beugt etwas vor, was sich zurzeit in erzkatholischen Kreisen in Polen abzeichnet. Polens Katholiken-Sender Radio Maryja verbreitet bereits die verrückten Ideen von Verschwörungstheoretikern, wonach dem Unglück ein Szenarium zu Grunde gelegen habe. Die Tragödie – ein zweites Katyn? Bei dem die Russen – wie vormals die Stalinisten – polnische Eliten umbringen?

Wer’s glaubt, werde unselig!

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Comments

  1. q.e.d. Auch wenn der Kommentar nur mit der Mail “mail@me.not” eintraf, lasse ich ihn hier erscheinen. Er belegt, was ich befürchte: Je mehr Zeit vergeht, umso mehr Verblendete und Blender werden sich einreihen. Zweifel sind immer gut. Aber dass der Autor sich nicht identifizieren will mit seiner Meinung… na ja: szkoda. Keiner ist gegen die Aufarbeitung der polnisch-russischen Geschichte. Am wenigsten ich. Gerade dieser Monat aber stellte einen Wendepunkt in der Geschichte dar – aber manche halten das eben für Gehirnwäsche 😉

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